Spiele!

 

In Podcastfolge 041 (ab 13.9.) erkläre ich dir, warum es so wichtig ist, auch in Sek I und Sek II das Spielen in der Schule nicht zu verlernen.

Hier ein paar Beispiele  für Kennenlernspiele und Vorschläge,

wie du sie auch zu einem späteren Zeitpunkt noch für deinen Unterricht nutzen kannst.

 

Ein Gegenstand erzählt von mir

Für dieses Spiel bringt jedes Kind einen beliebigen Gegenstand mit, der etwas von ihm erzählen könnte, weil er bereits viel mit ihm erlebt hat. Das ist dann bei dem einen der ausgelatschte Fußballschuh sein, bei dem anderen ein Kuscheltier oder die Federmappe des letzten Schuljahrs.

Legt alle Gegenstände in die Mitte des Sitzkreises und wählt nach und nach eines aus. Überlegt, wem es gehören könnte und der Besitzer erzählt kurz, warum er diesen Gegenstand mitgebracht hat. Lass gerne diese Dinge ein paar Tage auf dem Klassenschrank ausgestellt, dann fühlen sich deine Schüler umso heimischer. Du kannst auch im Deutschunterricht irgendwann schöne Aufsatzthemen daraus machen: „Was würde wohl Michis Teddy dem Dino von Thorsten nachts erzählen, nachdem er diese Klasse ein paar Tage lang vom Klassenschrank aus beobachtet hat?“

 

 

Alle in einer Reihe

Ein Spiel für jede Alterstufe, bei dem man ein bisschen in Bewegung kommt, sich konzentrieren und absprechen muss und sich dabei nebenbei besser kennenlernt. Das Schöne ist: Es braucht nicht einmal Material dafür!

Du rufst dazu einfach ein Kriterium in die Gruppe und die Schüler müssen sich in einer bestimmten Reihenfolge sortiert aufstellen.

 

Rufst du z.B.: „Anfangsbuchstaben der Vornamen!“, so muss die Reihe alphabetisch geordnet mit Anna beginnen und mit Vincent enden. Aufgabe der Schüler ist es also, gemeinsam  die richtige Reihenfolge herzustellen, dabei üben sie gleichzeitig die Namen ein.

 

Ebenfalls auf diese Weise sortieren lassen kannst du Nachnamen, Geburtstage, Schuhgrößen … - Achtung! Hier gerne auch mal auf Feinheiten achten, 38 ist nicht immer gleich 38!

 

Lässt du die Schüler selbst Kategorien vorschlagen, macht ihnen dieses Spiel noch mehr Spaß. Wenn du dem Ganzen noch einen Wettbewerbscharakter verpassen möchtest, stopp die Zeit und behaupte anschließend: „SO schnell hat  das noch keine Gruppe vor euch hingekriegt! WAS für eine Klasse!!“

 

Zu einem späteren Zeitpunkt kannst du dieses Spiel erneut aufgreifen, indem du immer wieder die Zeit stoppst oder dir Kriterien einfallen lässt, die mit dem anstehenden Unterrichtsthema zu tun haben: Stell im Erdkundeunterricht kleine Gruppen zusammen und lass sie sich entsprechend der Entfernung ihres letzten Urlaubsortes aufstellen. Wer schafft es am schnellsten?

 

 

Briefe an den Klassenschrank

Eine wunderschöne Unterrichtseinheit für den Deutschunterricht, mit der ich ZU gerne in Jg 5 den Anfang gestaltete: Du schickst irgendwann ganz beiläufig einen Schüler an den Klassenschrank, damit er einen Bogen Papier o.Ä. holt und der Schüler findet - Überrraschung! - stattdessen einen großen an die Klasse adressierten Umschlag vor. Hierin steckt ein Brief vom Klassenschrank – in Hamburch hieß der Klaas – der offensichtlich die Klasse in den letzten Tagen beim Ankommen interessiert beobachtet hat und eine Brieffreundschaft mit den Schülern eingehen möchte.

 

Außerdem hat Klaas Klassenschrank Liebeskummer: E ist seit Jahren in Wandtafel Wanda verliebt, die aber viel zu weit weg ist ..  Beim nächsten Mal ist ihm vielleicht schlecht, weil Manfred Mülleimer immer so ´nen Mundgeruch hat …

 

Was auch immer du der Klasse mitteilen möchtest: Es macht viel Spaß, wenn die Schüler morgens als erstes nachschauen, ob denn wieder Post vom Klassenschrank für sie angekommen ist. Du kannst sie dann mit einem eigenen Brief antworten lassen, in dem sie von ihren eigenen Erlebnissen oder Wehwechen an der neuen Schule berichten. Natürlich musst du nicht allen Schülern immer zurückschreiben. Aber ab und zu einen Antwortbrief an alle, in dem auf verschiedene Schülerimpulse eingegangen wird – das kann, wenn du selbst gerne schreibst, unfassbar viel Spaß machen!

 

 

Namenreihen

Ihr sitzt im Kreis und jeder nennt nacheinander seinen Namen und den aller Personen links von ihm. Frau Cohn fängt z.B. an und sagt: „Frau Cohn “. Der Schüler rechts von ihr sagt: „Frau Cohn, Alfred.“ Die Schülerin neben Alfred sagt: „Frau Cohn, Alfred, Sabine“ .. usw. Je weiter weg man vom Lehrer entfernt sitzt, desto schwerer hat man es natürlich. Andererseits fallen die Namen dann zuvor so oft, dass man sie sich am Ende eigentlich merken können sollte ..

 

Zu einem späteren Zeitpunkt kannst du dieses Spiel mit witzigen Alliterationen versehen, die jeder mit seinem Vornamen verknüpfen soll: „Die charmante Frau Cohn, der allwissende Alfred, die sonnige Sabine“ usw. Dann ist es ein Konzentrationsspiel oder eine Einführung in die „Wunderwelt der Wortarten“ (Adjektive). Vorsicht übrigens mit der Wahl der Alliterationen: Oftmals bleiben die im Alltag noch Jahre später am Namen der Schüler haften …

 

 

Namensluftballons

Was für die Kleinen: Jeder schreibt seinen Namen auf einen Luftballon. Während Musik läuft, werden alle Luftballons hin und hergeworfen. Stoppt die Musik, bringt jeder den Ballon, den er gefangen hat, zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurück. Musik wieder anstellen – weiter geht´s. Gespielt wird einfach so lange, bis es langweilig wird oder die ersten Ballons platzen.

 

 

„Ich liebe Leute, die …“

Ein Klassiker, mit dem die Vorlieben der Klasse deutlich werden und man etwas Bewegung in den Sitzkreis bringen kann. Dabei wird ein Stuhl aus dem Kreis entfernt, der Besitzer stellt sich in die Mitte des Kreises und ruft z.B.: „Ich liiiebe Leute, die …. gerne Eis essen!“ Alle, die das betrifft, springen nun auf und müssen sich schnell einen anderen Sitzplatz suchen. Der in der Mitte stehende Schüler sucht sich schnell einen neuen Platz, wer übrig bleibt, nennt das nächste Kriterium. „Ich liebe Leute, die … mehr als zwei Geschwister haben!“ Du kannst so lange spielen lassen, bis die Schüler genügend Bewegung und Auflockerung erfahren haben.

 

Zu einem späteren Zeitpunkt eignet sich das Spiel gut, wenn du einen Sitzkreis baust und verhindern möchtest, dass immer dieselben Pappenheimer zusammensitzen. Nach ein paar Runden hat sich die Klasse schön vermischt, so dass eure Besprechung eine andere Dynamik hat, als wenn jeder neben seinem Best Buddy sitzt.

 

 

Who is who?

Erstelle einen Fragenkatalog und drücke ihn jedem Kind als Kopie in die Hand, damit es diesen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens - vielleicht auch mit lustiger Musik im Hintergrund – ausfüllt. Man trägt dabei zunächst seine eigenen Vorlieben ein und stellt dann Fragen an Mitschüler, um möglichst viele Gleichgesinnte zu finden.

 

Aber Vorsicht: Fremde Mitschüler anzusprechen kostet manche Kinder ganz schön viel Überwindung. Beobachte genau, ob du dabei helfen kannst bzw. drück beide Augen zu, wenn jemand nur wenig oder immer dieselben Namen einträgt. Es ist nur ein Spiel: Es geht nicht um Vielfalt und Vollständigkeit. Also mach keinen Druck. Viel wichtiger ist es, einen Anfang des Aufeinanderzugehens zu gestalten, sich seiner selbst bewusst zu werden und dabei etwas voneinander zu erfahren.

 

Die Aufgaben können folgendermaßen aussehen:

 

Meine Hobby: …. Dasselbe Hobby hat: ...

 

Eine Sportart, die ich doof finde ….

 

Meine Straße: .... Dort wohnt auch: ...

 

Vielleicht möchtest du die Fragen ja auch mit deinem Fach verknüpfen und die Zettel anschließend einsammeln, dann kannst du z.B. Dinge, die offensichtlich viele Schüler interessieren, in deiner ersten Unterrichtseinheit schon so einsetzen, dass sie schnell Begeisterungsstürme und Erfolgserlebnisse zu verzeichnen haben.

 

(Dieses Spiel habe ich übrigens sogar schon auf einer Lehrerfortbildung erlebt – dann natürlich mit entsprechenden Fragen. Es war ein wunderbares Warmup und Aufhänger für anschließende Pausengespräche!)

 

Lies der Klasse gern einige Wochen später mal anonym einzelne Steckbriefe vor und lass die Schüler erraten, wer dahinter steckt. (Du kannst dies z.B. am Ende einer Stunde tun, wenn die Klasse eine Belohnung verdient hat und noch etwas Puffer ist.) Dafür liest du immer ein Kriterium vor, lässt raten, nächstes Kriterium … usw. Frag die zu erratende Person am Schluss, ob all diese Dinge noch immer auf sie zutreffen oder ob sich inzwischen etwas geändert hat.

 

Das hier eingeübte Interview-Prinzip kannst du übrigens auch später noch gut nutzen - eigentlich immer dann, wenn Schüler mehrere verschiedene Aufgaben schriftlich zu lösen haben. Dies tun sie zunächst in Stillarbeit (siehe Podcastfolge 14: Konzentration einüben mit DAB“) und vergleichen später ihre Lösungen in Tuschelatmosphäre mit anderen. Dabei muss gewährleistet sein, dass jede Aufgabe mit einem anderen Schüler verglichen wurde, so dass also durch die Klasse spaziert werden muss. (Pass auf, dass man dabei nicht die Klassenbesten belagert …) Am Schluss werden die Aufgaben im Plenum besprochen, wobei du gern jemanden auslosen darfst, da ja nach dieser regen Austauschphase JEDER genug im Heft stehen haben sollte. (Wehe, wenn nicht!!)

 

 

Meine Geschichte – deine Geschichte

Dies ist ein anspruchsvolles Spiel, dass sich m.E. auch gut für Sek I und II eignet. Es braucht etwas Zeit und eignet sich gut dafür, Gruppen, die künftig eng zusammenarbeiten sollen, zu einer vertrauensvollen Basis zu verhelfen.

 

Jede Gruppe bekommt eine Din A4-Kopie, eingezeichnet sind: Start und Ziel. Die Gestaltung der Felder dazwischen übernehmen nun die Schüler selbst. Die Aufgabenstellung lautet folgendermaßen:

 

Vor dem Spiel

Einige Jahre bist du nun schon unterwegs in deinem Leben und hast dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. Gibt es eine Geschichte oder Situaton, an die du dich besodners gern erinnerst? Denke dir zu dieser Geschichte ein Symbol aus. Jeder Mitspieler zeichnet sein Symbol an zwei Stellen auf dem Spielplan auf. Ihr dürft euch auch zwei Geschichten pro Person überlegen und insgesamt vier Symbole aufzeichnen. Die verschiedenen Symbole werden z.B. durch Klebepunkte miteinander verbunden, sodass ein Weg entsteht.

 

Los geht´s!

Der jüngste Mitspieler fängt an: Er würfelt und rückt mit seiner Spielfigur die entsprechende Anzahl von Feldern vor. Kommt seine Spielfigur dabei auf ein Symbolfeld, erzählt derjenige, der das Symbol gemalt hat, seine Geschichte. Kommt ein anderer auf dasselbe Feld, muss die Geschichte nicht noch ein zweites Mal erzählt werden. Stattdessen ist derjenige, der bereits auf dem Feld steht, an der Reihe: Er überlegt sich zu diesem Symbol ein eigenes Erlebnis, von dem er erzählen möchte. Das Spiel ist beendet, wenn alle Teilnehmenden ihre Symbole erklärt haben.

 

Natürlich kannst du dieses Spiel auch später noch einmal thematisch einsetzen, indem sich die Erzählungen z.B. auf Erlebnisse der letzten Unterrichtseinheit, Klassenfahrt oder die Sommerferien beziehen.

Idealerweise tauschen irgendwann besonders kreative Schüler ihren Spielplan mit dem einer anderen Gruppe und denken sich zu deren Symbolen eigene Stories aus!

 

 

Die Schulerkundungsraupe

Dieses Spiel liiiiebe ich! Es eignet sich wunderbar für die ersten Schultage, wenn die Kinder sich auch auf dem Schulhof noch nicht gut auskennen und jeder in der großen Pause vielleicht woanders herumwuselt. Außerdem wird dadurch Teamarbeit gefördert, den Kindern die Wichtigkeit dieser signalisiert. DAs kannst du also auch später noch nachholen. 

Dafür lässt du die Kinder draußen mit verbundenen Augen eine Polonaise bilden, allein der Anführer der Gruppe hat keine Augenbinde. Dieser ist nun der Kopf der „Schulerkundungsraupe“ und darf die ganze Klasse langsam zu einem Platz seiner Wahl führen, den er auf dem Schulhof aufgetan hat. Ist die Raupe dort angekommen, kann der Kopf noch kurz erklären, warum er diesen Platz gewählt hat. Dann wird ausgelost, wer die nächste Raupe anführen darf.

 

Gleichzeitig ist dies natürlich ein Vertrauensspiel und es ist gar nicht so einfach, sich ohne selbst sehen zu können in einer so großen Gruppe fortzubewegen. WENN das die ersten Male in Chaos ausartet und die Raupe immer wieder zerreißt, ist das gar nicht schlimm: Mach einfach mehrere daraus! Dann gehen die Kinder vielleicht nur zu viert los, sind dann auch umso schneller als Anführer dran und weniger frustriert. Wenn ihr möchtet, lasst ihr beim nächsten Mal immer längere Raupen bilden und könnt so nach und nach als ganze neue Klasse die Schule miteinander erkunden.

 

In kleineren Gruppen, die bei jeder Runde den Kopf wechseln, können z.B. vierköpfige Tischgruppen spielerisch lernen, zusammenzuarbeiten. Später hängst du dann lauter Vierergruppen zu einer längeren Raupe zusammen und das Ergebnis wird heißen:

„Je besser jede einzelne Vierergruppe arbeitet, desto besser ist das für die ganze Klasse!“

 


Ein Identitätsspiel

Jeder überlegt sich eine Aussage über sich selbst , z.B. „Ich heiße Katrin und spiele Gitarre!“ Dann geht man rum und tauscht mit jemand anderem die Identität: Hat Katrin also Hans getroffen, der Fußball spielt, IST sie bei der nächsten Begegnung mit einem anderen Schüler nun tatsächlich HANS und spielt Fußball. Dann tauscht sie Hans gegen Emil usw. usw.

Am Ende des Spiels kommt ihr alle zusammen und geht gemeinsam alle Namen noch einmal durch: Dann fragst du: „Wer von euch IST denn nun Katrin?“ – Katrin meldet sich und alle anderen wissen gleich: "Ach! DAS ist Katrin! DIE spielt Gitarre!“

 

Auch ohne Namen lernen zu müssen, ist dies ein witziges Konzentrationsspiel, dass du auch zum späteren Zeitpunkt immer wieder spielen und mit Unterrichtsthemen verknüpfen lassen kannst. Wunderbar klappt es natürlich im Englischunterricht, da beim Herumgehen jeder unbeobachtet zum Sprechen kommt! Fröhliche Musik im Hintergrund lockert zusätzlich auf.

 

 

Schulralley

Eine Schulralley ist natürlich DER Klassiker schlechthin: Du drückst Schülern in kleinen Grüppchen, die sich selbst einen möglichst witzigen Namen geben sollen, einen Fragenkatalog über die Schule in die Hand, den sie ausfüllen müssen, indem sie sich aktiv durchfragen oder sich gründlich an der Schule umschauen.

 

Beispiele:

 

Wie heißt der Hausmeister und wo findet man ihn?

Wie viele Schülertoiletten gibt es?

Schätze die Entfernung von Turnhalle zum Schulkiosk usw.

 

Bevor du dir Fragen ausdenkst, frag im Kollegium nach, ob es so eine Schulralley bereits gibt. Du MUSST nicht alles neu erfinden! Oft ist dies auch eine Sache, die sehr gerne von älteren Paten begleitet und ausgewertet wird, während du im Klassenzimmer verschnaufst ...

 

 

Möchtest du dein Lieblingsspiel ergänzen oder hast Lust, dich hier mit einem anderen Blogartikel zu verewigen?

 

Veröffentliche hier gern etwas über besondere Erlebnisse aus der Schule, dein Leben als Lehramtsstudentin oder Referendar, deine Rituale, Tipps und Tricks, Gedichte und Gedanken - ALLES, was du gern mit anderen teilen möchtest und was dich LOCKER LEHRER werden, sein oder bleiben lässt.

 

Du gehst dabei übrigens NULL Risiko ein: Solltest du irgendwann den Artikel wieder gelöscht haben wollen, erledige ich das umgehend!

 

Schreib mir einfach über mein Kontaktformular, welches Thema du dir vorstellen kannst.

 

Ich freu mich von dir zu hören und zu lesen!

 

Bis dahin – LOCKER, LEHRER!

 


Unterrichtsstörungen -

zwei Fragen, die du dir stellen solltest

(..bevor du auf Belohnungen und Bestrafungen zurückgreifst)

 

 

Eine Antwort auf die Frage „Wie mach ich das weg?“ reicht auf die Dauer nicht, wenn dein Unterricht regelmäßig von Störungen belastet ist. 

 

Wie bei jeder anderen „Störung“, sollte man sich zwei weitere Fragen stellen: 

 

1. Wen stört´s?

 

2. Woher kommt´s?

 

Anmerkung vorweg: Hast du ständig mit Schnupfen zu kämpfen, steckst du dir auch keinen Stöpsel in die Nase. Du bemühst dich, dein Immunsystem zu stärken und trägst im Winter deinen Schal. Das heißt nicht, dass du nie wieder mit Erkältungen zu tun bekommen wirst, doch es lässt sich eindämmen, wenn du ein bisschen vorbeugst.

 

Los geht´s!

 

Wen stört´s?

 

Bevor du deinen Schülern den Regel- und Maßnahmenkatalog deiner Schule überstülpst, frag sie ruhig zuerst, welche Regeln SIE für ihr Zusammenleben brauchen. Die meisten wünschen sich nämlich NICHT etwa Chaos&Verwüstung im Klassenzimmer, sondern ein fröhliches Unterrichtsklima. Und viele von ihnen bringen ganz brillante Vorstellungen und Ideen dafür mit, die gehört werden müssen.

 

Wenn Schüler selbst den Finger in die Wunde legen und ihre Klassenregeln selbst aufstellen (vertrau mir: die können das!), erschließt sich ihnen auch der Sinn und ihre Bereitschaft wächst, sich selbst daran zu halten. Oder aber, sie sind dafür sensibilisiert, einander dazu zu bewegen.

 

Das heißt für dich vermutlich auch, Kompromisse einzugehen. Eine Regel zu lockern, weil sie für DIESE Klasse eigentlich keinen Unterschied macht, damit der Regelkatalog übersichtlich und freundlich bleibt. 

Solche Kompromisse sind wichtig, denn Schüler brauchen Erwachsene, die sie ernstnehmen und ihnen zutrauen, Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Hab keine Angst, dass du „zu nett“ sein oder sonst wie zu kurz kommen könntest, wenn du dich auf Schülervorschläge einlässt!

 

 

Denn:

 

Auch deine eigenen Grenzen musst du natürlich glasklar kommunizieren - auf Augenhöhe! Auch DU hast ein Recht auf ein für dich angenehmes Klassenklima. Du wirst sonst schlecht gelaunt, mürbe oder krank.

 

Mach dir möglichst vorher schon klar (oder visualisiere ..), was genau du darunter verstehst und gleich deine Interessen demokratisch mit denen der Schüler ab. Sie müssen lernen, dass jeder Mensch andere Grenzen hat und es wichtig ist, sich auf diese einzustellen.

 

Sei Vorbild:Benimm dich selbst anständig und leb Schülern vor, wie man diplomatisch für seine Interessen einsteht und dann lass sie das an dir auch üben dürfen. Sei nicht eingeschnappt, wenn sie das tatsächlich dann auch tun! ;-)

Das alles ist Beziehungsarbeit und je besser die Beziehung zwischen euch ist, mit desto weniger Störungen und Anfeindungen musst du rechnen.

 

Du musst dich dabei nicht etwa verstellen, deinen Ärger unterdrücken, um eure Beziehung nicht zu belasten. Du bist ein Mensch - sei authentisch! Doch schalte anschließend wieder um auf Empathie und Diplomatie. An deinem Ärger festzuhalten tut nämlich auch dir nicht gut!

 

Glaub mir: Konsequent auf die Einhaltung von Regeln zu bestehen - das geht o h n e Nörgeln, Motzen und Bestrafen!

 

(.. und das sage ich nicht etwa, weil du als LOCKER LEHRER nicht gern nörgelst, meckerst und bestrafst, sondern weil es auf die Dauer einfach nichts bringt. Vertrau mir.) 

 

Weiter geht´s!

 

Woher kommt‘s?

 

Diese Frage ist ebenso wichtig, denn hierin liegt vieles verborgen, was zur Lösung des Problems wichtig ist. 

 

Ich liste dir mal ein paar VIELLEICHTS auf, dann kannst du deine Situation dahingehend überprüfen:

 

Vielleicht machst du tatsächlich irgendetwas "falsch": Es kann mit unglücklicher Unterrichtsplanung zu tun haben, Leerlauf, zu langen Lehrervorträgen, Unpünktlichkeit, Inkonsequenz, Unachtsamkeit .. Vielleicht hilft es, sich einen Beobachter in die Klasse zu holen, von dem du ein Feedback über deinen Unterrichtsstil gut vertragen kannst.
Hör es dir das an, lass es sacken und dann ändere das mal - und sei es probehalber ..

 

Vielleicht bist aber auch gar nicht DU der Schuldige und deine „unangepassten“ Schüler schon gar nicht.

 

Vielleicht ist der Kollege in der Stunde vor deiner eigenen SO LASCH mit den Schülern, dass sie dann in deiner Stunde weiterhin außer Rand und Band sind ..

 

Vielleicht ist der Kollege in der Stunde vor deiner eigenen SO STRENG mit den Schülern, dass sie dann in deiner Stunde endlich mal Dampf ablassen müssen ...

 

Vielleicht sind sie in deiner Stunde oft müde, unterzuckert, überzuckert, nach einer Klassenarbeit geschlaucht, vor einer Klassenarbeit aufgeregt ...

 

Vielleicht sind manche ÜBERfordert, somit frustriert und können nicht anders, als die Aufmerksamkeit auf negative Art und Weise auf sich zu ziehen.

 

Vielleicht sind manche UNTERfordert, somit gelangweilt und können gar nicht anders, als ihrer Kreativität auf ganz „eigene“ Art fließen zu lassen …  

 

 

Nur wenn du weißt, aus welchen Gründen deine Schüler so sind, wie sie sind, kannst du gezielt auf die Situation einwirken.

 

 

Belohnungen und Bestrafungen sind keine Allround-Lösung!

 

Hol dir Tipps zum Umgang mit Unterrichtsstörungen, aber pass diese unbedingt an deine Klasse und auch an deine Lehrerpersönlichkeit an. Stülpe deinen Schülern nicht einfach einen Regel- und Maßnahmenkatalog über und wache akribisch über die Einhaltung. Damit machst du sie zum Objekt.

 

FRAG deine Schüler!

 

NIMM SIE ERNST!

 

HOL DIR FEEDBACK!

 

(…selbst wenn dir das Ergebnis vielleicht nicht schmecken wird.)

 

SCHENK ihnen etwas Bewegung oder eine außerplanmäßige Frühstückspause. Gib deinem Unterricht Sinnhaftigkeit und Lebensnähe.

 

 

(Gegen Frust schenk ihnen dein Ohr, gegen Langeweile die spannendsten Geschichten aus deinem Leben … Das alles ist Beziehungspflege! Es darf übrigens Spaß machen und auch mal eine ganze Stunde in Anspruch nehmen.)

 

 

Wenn dann noch immer kein entspanntes Unterrichten möglich ist, dann entferne Schüler, informiere Eltern, belohne, bestrafe, mach und tu …

Das Wichtigste aber ist:

 

STELL FRAGEN - BLEIB IM GESPRÄCH!

 

Ich wünsche dir von Herzen ein fröhliches Unterrichtsklima und eine Durch-Dick-und-Dünn-Beziehung zu deinen Schülern!

 

Deine Lydia

 

 

Vielleicht möchtest du folgende Podcastfolgen dazu noch einmal hören:

 

01 BEZIEHUNGSPFLEGE! –  Zaubertricks für einen KLASSE START (1)

05-08 - Tipps für ein positives Unterrichtsklima

14 Konzentration einüben mit DAB

24a) *Regelverstöße* SONDERFOLGE über DEINE FRAGEN*

 

 

P.S. Ach übrigens ... Ich habe durch diesen Podcast mittlerweile so viele wundervolle Kolleg*innen kennengelernt, dass ich gerne DIE hier zu Wort kommen lassen würde!

 

Veröffentliche hier also gern einen eigenen Blogartikel über besondere Erlebnisse  aus der Schule, dein Leben als Lehramtsstudentin oder Referendar, deine Rituale, Tipps und Tricks, Gedichte und Gedanken - ALLES, was du gern mit anderen teilen möchtest und was DICH LOCKER LEHRER sein oder werden lässt.

 

Du gehst dabei übrigens NULL Risiko ein: Solltest du irgendwann den Artikel wieder gelöscht haben wollen, erledige ich das umgehend!

 

Schreib mir einfach über mein Kontaktformular, welches Thema du dir vorstellen kannst.

 

Ich freu mich von dir zu hören und zu lesen!

 

Bis dahin – LOCKER, LEHRER!